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Seminar zur Geschichte der Philosophie

  Der Tiefenpsychologe, ... der tagein, tagaus die Manifestationen der enormen Macht unbewusster Motivationen beobachtet, wird natürlich geneigt sein, unbewusste psychische Faktoren als die entscheidenden, wesentlichen, d. h. als die einzigen gültigen Kräfte im Leben von Individuen und Gruppen anzusehen. Der Psychoanalytiker muss dieser Versuchung widerstehen, für eine naive Haltung voreingenommener Einseitigkeit einzutreten; er darf die Erklärungskraft tiefenpsychologischer Einsichten nicht überschätzen. Des Analytikers Einsichten in die Rolle, die unbewusste Kräfte in der Tiefe der Persönlichkeit spielen, bieten in der Tat keine vollständige Erklärung für das Verhalten des Individuums oder der Gruppe (Heinz Kohut, 1973, S. 10).
 
  Sich im Gleichgewicht halten, sich anpassen ohne sich aufzugeben: das kann ein Zweck des Philosophierens sein. Wie ein Wasser sich stille hält, damit es vollkommen den Himmel spiegelt, Wolken und überhängende Zweige, auch bewegte Vögelschwärme; wie ein Kreisel sich im Rollen hält, damit er schweben kann, gleichmässig und seine Farben schön mischend – so kann ein Mensch seine Lage suchen, in der er die Welt spiegelt, sich ihr zeigt und mit ihr auskommt. Wie klar spiegelt sich die Wolke im Wasser? Wann am klarsten? Woher kommt der Zweig, dessen Ursprung sich nicht spiegelt? Was macht der Wind aus über, was der Schlamm unter dem Wasser? Das sind Fragen, die da entstehen. Wo findet der Kreisel Raum, wann am meisten? Welche Schnelligkeit ist die beste? Wie laufen die andern Kreisel? Das sind da philosophische Fragen.
Die Philosophien betrachten, das kann Philosophieren sein. Was die Leute dachten (oder denken liessen), als sie Städte bauten, Zünfte einführten, Werkstätten einrichteten, Schiffe bemannten, Reis bauten, Reis verkauften, Kriege führten innerhalb und ausserhalb der Mauern: Von den Städten ist nicht die Rede bei ihnen, noch von den Zünften, Werkstätten, Schiffen, und doch konnte man so denkend Städte bauen, Schiffe bemannen oder Städte bauend, Schiffe bemannend so denken. Dass die Schiffe und Städte nicht erscheinen in den Gedanken, das zeigt: Das Denken löst sich leicht los. Das ist eine Eigenschaft des Denkens (Bertolt Brecht, 1965, S. 421–422).

Eng verbunden mit der Natur- und Menschheitsgeschichte ist die Geschichte der Philosophie. Sie gibt vor allem Einblicke in die historische Entwicklung des menschlichen Denkens. Nach Immanuel Kant ringt die Philosophie um Antwort auf vier Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Die Ergebnisse philosophischer Arbeit werden auf dem Hintergrund der dynamischen sozioökonomischen Verhältnisse, in denen sie entstanden sind, studiert.



Brecht, B. (1965), Me-ti/Buch der Wendungen. Gesammelte Werke,
   12:417–585. Zürich: Buchclub Ex Libris, 1976.
Kohut, H. (1973), Psychoanalysis in a Troubled World. In: The Annual of
   Psychoanalysis. A Publication of the Chicago Institute for Psychoanalysis,
   Volume I
, herausgegeben von einem Komitee. New York:
   Quadrangle/The New York Times Book Company, S. 3–25.



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