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  Sie [die Gruppenmitglieder der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung] wussten, dass der Mensch ebenso ein soziales Wesen ist wie eine biologische Einheit. Sie erkannten, dass die Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt sich nicht nur in seinem Verhalten äussern, sondern auch in Kunstwerken, in Religion und gesellschaftlichen Institutionen. Infolgedessen erschien es ihnen unerlässlich, sich nicht nur mit kranken Menschen zu befassen, sondern auch mit Literatur, Religion, Philosophie, Anthropologie, Soziologie usw. Es gab also viele Debatten über das Zusammenwirken biologischer, sozialer und historischer Faktoren in der Entwicklung des einzelnen ebenso wie in der Entwicklung der Menschheit (Herman Nunberg, 1962, S. XXX).

Um den einzelnen Menschen in seiner konkreten Einmaligkeit erkennen und ihm so in seinem jeweiligen Gestörtsein helfend beistehen zu können, bedarf es heute eines umfassenden Verständnisses des menschlichen Subjekts sowohl in seinen individuellen als auch in seinen kollektiven und gesellschaftlichen Existenzformen.

Eine Psychotherapie, die sich der Psychoanalyse verpflichtet fühlt, soll sich nicht losgelöst von der allgemeinen Menschheits- und Wissenschaftsgeschichte betrachten, sondern muss im Gegenteil ihren Standort innerhalb dieser Traditionen immer wieder neu bestimmen, um sich schöpferisch weiterentwickeln zu können.

In diesem Sinne ist es nahe liegend, dass im Institut für Psychoanalyse (IfP) neben Fallseminaren und dem Studium der Theorie und Technik der Psychoanalyse und der psychoanalytischen Psychotherapie auch Theoretische Seminare z. B. in Geschichte der Philosophie, bildender Kunst, Filmkunst, Literatur und Musik angeboten werden, Seminare, die nicht nur Ausbildungskandidaten und ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen, sondern auch interessierten Laien offen stehen.

Unsere Tätigkeit setzt eine Richtung der Psychoanalyse fort, die Gruppenmitglieder des psychoanalytischen Arbeitskreises, der sich um Sigmund Freud zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Wien gebildet hatte, prägten. Auch für uns gilt die Praxis dieser ersten Wiener Psychoanalytiker, wie sie von Nunberg im von uns als Motto gewählten Zitat beschrieben wird.



Nunberg, H. (1962), «Einleitung» zu Protokolle der Wiener
   Psychoanalytischen Vereinigung, Band I, 1906–1908
, herausgegeben von
   Herman Nunberg und Ernst Federn, aus dem Englischen übersetzt
   von Margarete Nunberg. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1976,
   S. XIX–XXXIV.



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